„Das Recht ströme wie Wasser“ – „Das Recht ströme wie Wasser“unter diesem Motto wurde die MISEREOR-Fastenaktion 2016 wurde ersten Fastensonntag im Würzburger Dom für ganz Deutschland eröffnet. Das Leitwort wird uns in der Fastenzeit immer wieder begleiten, sei es auf einem Plakat an der Kirchentür, im Gottesdienst oder auf einem Opfertütchen. MISEREOR hat beispielhafte Hilfsprojekte gerade im diesjährigen Partnerland Brasilien vorgestellt, für die wir gerne auch werben.

„Das Recht ströme wie Wasser“

In diesem Spruch sind zwei interessant Aspekte. Zum einen geht es um etwas trocken Klingendes. Das Recht! Da denkt man an Bundesgerichtshof, Staatsanwalt, vielleicht auch an Regierungen. Wir erleben immer wieder, dass wir die Rechtsprechung bei uns oder in anderen Ländern nicht immer als richtig empfinden. Außerdem ist es oft auch egoistisch, wenn es heißt: „Das ist mein Recht.“ Wie oft wurden dadurch schon Freundschaften zerstört!

Das Bibelwort des Propheten Amos geht weiter: „Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5,23.24).
So kommt nach dem Recht die Gerechtigkeit ins Spiel. So klingt es doch schon sympathischer. Sie ist ausgleichender, aber auch subjektiver. Sie ist auch unbequemer. Recht steht im Gesetz, das muss aber nicht gerecht sein. Gehen wir aber davon aus, dass in der Fastenaktion sich die Gerechtigkeit verbreiten soll.

„und sie ströme wie Wasser“

Wasser ist das Element, das überall hinkommt. Wer ein Haus hat, kennt es als Problem: Wasser kann durch die kleinste Lücke im Dach kommen, von außen in die Wände oder als Grundwasser von unten. Ein Wasserrohrbruch zeigt, wie sich das Wasser in die kleinsten Ritzen und Fugen verteilt. Auch unsere kleineren Fließgewässer wie die Spreu oder Brend zeigen uns bei Hochwasser, wohin sich das Wasser ausbreiten kann. So würde es ja bedeuten, die Gerechtigkeit kommt überall hin.

Das Tiefsinnige an diesem Motto, gerade verbunden mit dem Partnerland Brasilien, ist aber die Ungerechtigkeit, die mit Wasser zu tun hat. Um Brasilien mit Energie zu versorgen, sind etwa 30 Staudammprojekte geplant. Allein der Stausee für das Projekt Belo Monte überflutet eine Fläche von 650 km², was mehr als der Hälfte der Fläche des Landkreises Rhön-Grabfeld entspricht – mit den unsicheren Folgen für die Ökosysteme und 20.000–40.000 Menschen, welche ihre Heimat verlieren.

Positiv ist dabei sicher, dass der Strom klimaneutral erzeugt wird, was durchaus gutgeheißen werden soll, aber nicht alles rechtfertigen kann. Sicherlich wird sich die biologische Vielfalt am Amazonas verändern, und es werden nicht alle Arten einen solch gewaltigen Umbau überleben können. Die größten Folgen spürt aber der Mensch.

Und wie sieht es da aus? Gibt es hier Entschädigungen, welche die Existenz der Urbevölkerung sichern? Kann die Korruption im Rahmen von Großprojekten wirksam im Zaum gehalten werden? Werden die Gewinne dieser Projekte der Allgemeinheit zugutekommen?

Auf diese und weitere Fragen mag uns die Aktion „Das Recht ströme wie Wasser“ hinweisen. Und MISEREOR will Betroffene dabei unterstützen, ihr Recht auf Leben und Existenz durchzusetzen. Vielleicht wurden Sie etwas neugierig auf die Fastenaktion.

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